Vortrag der Fellingshäuser Restauratorin Sabine Kuypers im Heimatmuseum Rodheim

Restauratorin Sabine Kuypers und Heimatvereins-Vorsitzender Klaus Rüspeler
Am 4. Oktober brachte Sabine Kuypers über 20 BesucherInnen ihre Tätigkeit nahe. Gemälde, Bilderrahmen und Skulpturen sind der wesentliche Teil ihrer Arbeit. Kunden fragen „Lohnt sich das?“ und meinen den finanziellen Wert. Frau Kuypers stellt die Frage
„Was steckt dahinter?“ Dann findet sie z.B. einen handgeschmiedeten Nagel (18. Jhdt), besondere Spannkanten, einen Papier-Aufkleber auf dem Rahmen. „Nur was man kennt, kann man erkennen.“ Am Beispiel eines Gemäldes, das Martin Luther zeigt, erläutert sie ihr Vorgehen Schritt für Schritt. Und diese Schritte waren in Fotos an den Wänden des Museums optisch nachvollziehbar.
Die Signatur zeigt den Namen Marie Feltner aus Gießen.
Auf der Stifter-Plakette steht der Name Dr. Christian Ingesthal.
Ein Aufkleber verweist auf die Kunsthandlung Leib, die den Rahmen vergoldete – und auch Renovierungen durchführte.


Bei Tageslicht sieht man vieles nicht, weshalb ein Gemälde auch mit UV-Licht untersucht wird.
Welche Schäden sind ansonsten zu sehen, z.B. Schimmelbefall? Oder die Rückseite hatte Wasserflecken, wodurch die Malschicht auf der Vorderseite abgelöst wurde.
Viele Informationen erhält man an den Spannkannten. Auf einem Gemälde von 1945 erwies sich die Leinwand als alter Mehlsack. Gelegentlich wurden sie abgeschnitten, vermutlich in den 1980er Jahren als rahmenlose Bilder modern waren.
Die Untersuchung mit Röntgenstrahlen arbeitet völlig zerstörungsfrei. Man kann z.B. erkennen, ob die unterste weiße Farbschicht (= Gesso) aus Bleiweiß besteht. Dann muss die Restauratorin sehr große Vorsicht walten lassen, denn Bleiweiß ist stark giftig. (Bleiweiß benutzten die Damen aus der Zeit Elizabeth I. von England als Make up-Grundlage).

Bei einer Tonfigur aus Kamerun, die die Restauratorin im Rahmen ihrer Masterarbeit untersuchte, musste sogar die Gechichte umgeschrieben werden. Ein „Helm“ aus Haaren war erst angebracht worden, als die Figur erstmals in einem deutschen Museum stand. Die Röntgenaufnahme im Balserischen Stift ergab, dass an dieser Figur auch andere erhebliche Veränderungen vorgenommen worden waren.
In der Ausstellung wurde auch das Foto eines Gemäldes von Ricarda Huch aus der gleichnamigen Schule in Gießen gezeigt. Mit der Signatur Agnes Kirchner-Kruse konnte niemand etwas anfangen. Erst als Frau Kuypers nach langer Debatte mit der Schulleiterin die oberste Malschicht anhob, erkannte man darunter den Namen Agnes von Kruse-Jakimow. Dabei handelte es sich um eine Tochter der Käthe Kruse-Puppen- Entwicklerin, die mit einem russischen Adligen verheiratet war.
Um zum Schluss auf die erste Kunden-Frage zurückzukommen: Welchen Wert hat der zu restaurierende Gegenstand?
Ist er kulturhistorisch wertoll?
Hat er eine Bedeutung für den Ort in dem ich lebe?
Hat er eine Bedeutung für meine Familie?
Löst er Erinnerungen, Stimmungen aus?
Sabine Kuypers hat ihr Atelier in Fellingshausen Am Großacker 7. Ihren Beruf gab es vor 50 Jahren noch gar nicht.
Am 8. November wird Frau Kuypers mit den BesucherInnen ein Gespräch über einen von ihnen mitgebrachten Gegenstand führen (Bitte immer nur 1!). Es wird spannend bleiben, wenn man gemeinsam die Geschichte dieses besonderen Stückes entdeckt.
Die Dame, die neben mir saß, meinte es sei doch sehr schade, dass nicht ein einziges Mitglied der Biebertaler Kulturinitiative anwesend war!
Fotos Ev. Renell

